Einzeltherapie, Paartherapie, Familientherapie, Gruppentherapie

Psychotherapie ist die Behandlung der Seele, wenn sie krank ist oder Krisen durchlebt. Psychotherapie geht Symptomen wie z.B. Angststörungen, Depressionen oder Burn Out auf den Grund und zielt darauf ab, zu verstehen, was hinter der Symptomatik liegt, um die Störung von der Wurzel her zu behandeln. Psychotherapie ist indiziert, wenn Sie seelische Leidenszustände oder Probleme allein oder mit Hilfe von Freunden nicht mehr bewältigen können oder wollen. PsychotherapeutInnen sind ProfessionistInnen (mit Schweigepflicht), die Sie in Ihrer individuellen Problematik verstehen und Sie auf den einzelnen Schritten zur Bearbeitung und Verarbeitung der Probleme begleiten.

Der Ursache auf den Grund gehen

Im Rahmen einer Psychotherapie gehen wir den Störungen, seien es seelische oder (in Zusammenarbeit mit Medizinern) auch körperliche, auf den Grund, erkennen das System, das dahinter steht und begleiten den Menschen zurück zu seinen Möglichkeiten, ein psychisch gesundes und erfülltes Leben zu führen bzw. zu seinen Möglichkeiten, das Krankheitsbild zu verstehen und damit umgehen zu lernen.

Psychotherapie ist somit keine Behandlungsform, die Symptome bekämpft, sondern eine Möglichkeit, tiefer in die Ursachen von Störungen einzutauchen und das Problem an seiner Wurzel zu erreichen. Psychotherapie arbeitet allerdings auch, jeweils abhängig vom individuellen Bedürfnis des Klienten, mit medizinischen Fachbereichen zusammen, z.B. wenn eine ergänzende medikamentöse Unterstützung für den seelischen Heilungsprozess hilfreich ist.

Wann brauche ich Psychotherapie

Psychotherapie ist indiziert, wenn Sie seelische Leidenszustände oder Probleme allein oder mit Hilfe von Freunden nicht mehr bewältigen können oder wollen. Im folgenden sind einige Beispiele dafür angeführt (Quelle: Stumm, Brandl-Nebehay, Fehlinger: Handbuch für Psychotherapie, Falter 1996):

  • Ängste, die Ihre Lebensqualität massiv einschränken
  • Zwangsgedanken und –handlungen, unter denen Sie leiden
  • Depressionen
  • Süchte, d.h. Abhängigkeit von Drogen, Alkohol, Medikamenten, Essen, Spielen etc.
  • Funktionelle Störungen: Darunter sind häufig wiederkehrende Beschwerden aller Art (sexuelle Störungen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Atemnot, Herzbeschwerden, Verspannungen u.a.) zu verstehen, die keine körperliche Ursache haben.
  • Psychosomatische Erkrankungen: Darunter fallen z.B. Magen- und Darmgeschwüre und -entzündungen, Migräne, Magersucht, Fettsucht, Freßsucht, Freß-Brech-Sucht (Bulimie), Asthma, Bluthochdruck, Hauterkrankungen, Allergien, Diabetes, Krebs u.a.
  • Problemstellungen mit Paaren: Krisen in Partnerschaften, belastende sexuelle oder andere Probleme für die Partnerschaft, festgefahrene Beziehungsmuster usw.
  • Probleme in der Familie: Familientherapie ist besonders dann hilfreich, wenn Sie als betroffene/r Eltern/teil das als problematisch erlebte Verhalten Ihres Kindes in Zusammenhang mit der Lebenssituation Ihrer Familie sehen und Schritte zu einer Veränderung setzen wollen.

Eine seelische Störung kann auch latent vorhanden sein, d.h. dass sie sich nicht in Form bestimmter Symptome zeigt, weil die inneren Konflikte z.B. durch gute Lebensumstände nicht zum Ausdruck kommen oder Sie die inneren Spannungen bislang selbst gut ausgleichen konnten. Eine Behandlung bevor sich Symptome zeigen ist in solchen Fällen meist zielführend.

Weitere allgemeine Informationen über Psychotherapie finden Sie im Internet unter folgenden Adressen:
www.psychotherapie.at
www.oebvp.at

 


 

Psychotherapie – Angebot

Im Therapiezentrum Hyrtlgasse wird Psychotherapie und Psychologische Beratung für Einzelne, Paare, Familien und Gruppen angeboten.

In der Psychologischen Beratung lernen Sie die Thematik bzw. das Problem, mit dem Sie in die Beratung kommen, zu verstehen. Und Sie erhalten fachliches Wissen darüber, wie und wo, bei welchen Personen oder bei welchen Institutionen, Sie es bearbeiten und lösen können.

In der Psychotherapie arbeiten die TherapeutInnen mit unterschiedlichen Methoden, siehe eine Beschreibung dazu unten.

Die Therapiedauer kann je nach Indikation einige Sitzungen ausmachen, nach denen bereits eine deutliche Besserung eingetreten ist. In der Regel dauert sie ein bis zwei Jahre bzw. auch mehrere Jahre, um einen grundlegenden Heilungs- und Veränderungsprozess möglich zu machen.

Die Therapiekosten entsprechen den für Österreich üblichen Honorarsätzen, zur Zeit ca. 80.- – 150.-, genauere Angaben erfragen Sie bei dem/der jeweiligen TherapeutIn. Krankenkassen erstatten Therapiekosten anteilig zurück, die Gebietskrankenkasse erstattet zur Zeit 21,80 pro Therapieeinheit zurück. Hierzu ist ein Antragsformular notwendig, in dem der/die TherapeutIn die Behandlungsnotwendigkeit begründet und das der/die PatientIn in seiner/ihrer Krankenkasse einreicht. Weitere Informationen gibt Ihnen der/die jeweilige TherapeutIn und Ihre Krankenkasse.

Für ein Erstgespräch und/oder weitere Informationen kontaktieren Sie bitte den jeweiligen Therapeuten bzw. die jeweilige Therapeutin.

 


Methoden

Im Therapiezentrum Hyrtlgasse werden u.a. folgende psychotherapeutische Methoden angewendet:

Arbeit mit dem Inneren Kind

Traumatherapie / Brainspotting / Trauma Release

Körperorientierte Psychotherapie

Klientenzentrierte Therapie

Konzentrative Bewegungstherapie

 

 

Arbeit mit dem Inneren Kind

Die Arbeit mit dem Inneren Kind geht von der Grundannahme aus, dass Erfahrungen und Erlebnisse, die wir als Kind v.a. mit unseren Bezugspersonen in unseren prägenden Phasen hatten, unbewusst in uns als Erwachsene vorhanden sind und unser Verhalten steuern. Wenn wir als Erwachsener einer Situation begegnen, die derjenigen aus der Kindheit ähnelt, reagieren wir unbewusst mit denselben Gefühlen wie wir sie als Kind in jener Situation hatten.

Fallbeispiel Franz: Franz (Name geändert) wünscht sich eine tiefreichende und lange Beziehung. Er ist ein gut aussehender Mann, der beruflich gut situiert und privat liebevoll und fürsorglich ist. Er bringt eigentlich alles mit um eine erfüllende Partnerschaft eingehen zu können, aber seine Beziehungen dauern max. 1-2 Jahre. In der Therapie kommt zutage dass er als Zweijähriger zu seiner Großmutter gegeben wurde, zu der er bis dahin kaum Kontakt hatte. Von der geliebten Mutter verlassen werden prägte sich ein. Wenn er jetzt als Erwachsener in eine ähnliche Situation kommt, also es entsteht Liebe/Nähe zu einer Frau, taucht sofort unbewusst eine große Angst auf, verlassen zu werden. Franz tut dementsprechend alles, um dem vorzubeugen, ist zuvorkommend, aufmerksam, liebevoll usw. Der jeweiligen Frau gefällt dies und in der anfänglichen Verliebtheitsphase „kleben“ die beiden aneinander, was das innere Kind beruhigt. Sobald aber natürlicherweise auch Impulse von der Frau kommen, z.B. einmal einen Abend allein sein zu wollen, tauchen sofort die unbewussten Ängste des Kindes auf, dass es verlassen wird. Und um dem damit verbundenen Schmerz zuvor zu kommen, wendet er sich innerlich selbst von der Frau ab und beendet die Beziehung.

Das Erwachsenen-Ich geht zu dem Kind-Ich: In der Arbeit mit dem Inneren Kind geht das Erwachsenen-Ich in die Vergangenheit zurück zu dem Kind-Ich, begegnet es, lässt gegenseitiges Vertrauen entstehen und ist dann in den schwierigen Situationen für das Kind-Ich da, sodass es damit nicht mehr allein ist. Es kann sich mitteilen, seinen Gefühlen Ausdruck verleihen, sein Herz ausschütten und damit kann sich etwas Grundlegendes entspannen und heilen. Franz fällt es immer noch schwer, seiner Frau ihren eigenen Raum zu geben und seine „Klettenhaftigkeit“ zu reduzieren, aber er erkennt die Schlüsselsituationen genauer und kann mit seiner Frau weiter gehen anstatt wie früher unbewusst zu reagieren und die Beziehung vorzeitig zu beeenden.

Themen, für die die Arbeit mit dem Inneren Kind hilfreich sind, sind: Unbewusste Schuldgefühle, Schamgefühle, geringes Selbstwertgefühl, Beziehungsprobleme, sexuelle Probleme, geringe Kritiktoleranz, Angststörungen, unerwünschte, wiederkehrende Verhaltensmuster im privaten oder im beruflichen Bereich, u.a.

 

 

Traumatherapie / Brainspotting / Trauma Release

Ein traumatisches Ereignis ist ein als lebensbedrohlich wahrgenommenes und überwältigendes Erlebnis. Es löst starke Gefühle von Angst, Hilflosigkeit, Ohnmacht und Ausgeliefertsein aus und überfordert die normalen Anpassungs- und Bewältigungsstrategien eines Menschen. Es hinterlässt eine seelische und körperliche Wunde, ein Trauma. Traumatisch können aber auch Lebenssituationen sein, die durchaus auch Jahre dauern können.

Meist sind gravierende Verletzungen wie etwa der Verlust eines Menschen, schwere Krankheit, Trennung, Tod,  sexueller, körperlicher und psychischer Missbrauch, häusliche Gewalt, Bedrohung und Vernachlässigung oder Unfälle die Ursache für ein Trauma. In traumatischen Lebenssituationen oder Zeitspannen ist das Kind meist allein mit seiner Angst um einen oder beide Elternteile, weil diese z.B. in einem „kalten Krieg“ leben, oder weil verbale oder körperliche Gewalt täglich passiert.

Die Folge eines Traumas kann sein, dass die vom Körper im Alarmzustand bereit gestellte Lebensenergie vom Nervensystem nur unvollständig aufgelöst wurde und der Körper weiterhin auf die Bedrohung aus der Vergangenheit reagiert, obwohl diese aktuell nicht mehr besteht. Der Betroffene zeigt oft für ihn (und andere) verwirrende oder beängstigende Symptome wie Übererregbarkeit, Überaktivität, Wutausbrüche oder aber eingeschränkte Lebendigkeit, Starrheit, Ängste, Panikattacken, Depressionen sowie Schlafstörungen oder chronische Schmerzen.

Trauma Release Technik (TRT) und Brainspotting sind Methoden der Traumatherapie, die den Körper auf ganz unspektakuläre Weise unterstützen, emotionale Belastungen, traumatische Erlebnisse und körperliche Schmerzen und Symptome so zu verarbeiten, dass sie nicht mehr auftreten und so integriert werden, dass sie nicht mehr belastend sind. 

 

 

Körperorientierte Psychotherapie

Körperorientierte Psychotherapie ist ein methodischer Zugang, der von Wilhelm Reich entwickelt wurde. Reich war ein Schüler Sigmund Freuds und erweiterte das psychoanalytische Verständnis um die Erkenntnis, daß sich unbewußte Inhalte auch auf körperlicher Ebene manifestieren. Psychische Inhalte und Gegebenheiten zeigen sich demnach im Körper durch Besonderheiten des Muskeltonus, des Gewebes, bestimmter Atemmuster, Veränderungen vegetativer Funktionen wie Verdauung oder Pulsfrequenz usw. Alle spezifischen Ausprägungen ergeben dann zusammen den sogenannten „Charakterpanzer“, d.h. die physische Ausdrucksform psychischer Korrelate. Reich beschreibt hierzu eine Charaktertypologie, wobei er Fixierungen in bestimmten analytischen Entwicklungsphasen (im wesentlichen orale, anale, genitale Phase) Entsprechungen in der Körperstruktur zuordnet.

Die Körperarbeit entwickelte nun verschiedene Methoden und Techniken, die z.B. mit Übungen, massageähnlichen Griffen oder freien Prozessen am Körper ansetzen und dadurch Zugang zu psychischen Inhalten ermöglichen. Wesentliche Elemente sind dabei u.a. die freie Pulsation durch Körpersegmente, die Wahrnehmung und der Ausdruck von verdrängten und unbewußten Bewußtseinsinhalten dieser Segmente, die Arbeit mit Atmung und Stimme sowie die Wahrnehmung des Menschen von sich selbst als energetisches Wesen mit rhythmischen Zyklen von Spannung – Ladung – Entladung – Entspannung auf körperlicher und psychischer Ebene.

Die körperorientierte Psychotherapie arbeitet mit unterschiedlichen Interventionen je nach Indikation und dem individuellen Entwicklungsprozess entsprechend, zur besseren Vorstellung seien hier einige Beispiele angeführt:

  • Grounding: Übungen, um sich im Körper zu festigen, „geerdet“ zu werden, Standfestigkeit zu bekommen, mit beiden Beinen am Boden zu stehen, sich des Körpers zu „besinnen“, die Sinneswahrnehmung zu sensibilisieren
  • Atem: Übungen zum Erkennen von Atemmustern, z.B. zu „flach“ zu atmen, womit ein herabgesetztes Energieniveau und Zurückhalten von emotionalem Gehalt einhergehen
  • Stimme: Übungen zum stimmlichen Ausdruck, Befreiung z.B. gepreßter oder besonders leiser Stimme und damit emotionaler Ausdrucksfähigkeit

Schulen der Körperarbeit:
ausgehend von der Vegetotherapie W. Reichs entwickelte sich eine Reihe von verwandten Methoden, die bekanntesten sind
Bioenergetik (A. Lowen),
Biosynthese (D. Boadella),
Biodynamik (G. Boeysen),
Hakomi (R. Kurtz),
Primärtherapien (Casriel, Janov),
Emotionale Reintegration (P. Bohlen)

 

 

Klientenzentrierte Therapie

Klientenzentrierte Therapie wurde in den 40er Jahren von Carl Rogers (1902-1987) begründet. Der Klientenzentrierten Therapie liegt die Überzeugung zugrunde, dass der Mensch über ein ihm innewohnendes Potenzial zur Selbstverwirklichung („Selbstaktualisierungstendenz“) verfügt. In der therapeutischen Praxis gilt es, die Spaltung („Inkongruenz“) zwischen Selbstkonzept und aktuelle Erfahrung aufzuheben, die sich in Leidenszuständen und Störungen niederschlägt. Für den Psychotherapeuten sind folgende drei Grundeinstellungen wichtiger als konkrete technische Interventionen: Empathie (nicht wertendes, einfühlendes Verstehen), Akzeptanz (unbedingte Wertschätzung) und Kongruenz (Echtheit). Diese „notwendigen und hinreichenden Bedingungen“ ermöglichen es dem Klienten, mehr Vertrauen zu sich selbst zu gewinnen, eine eigene innere Bewertungsinstanz zu entwickeln und zunehmend offen für Veränderungen zu werden. In der Verwirklichung des klientenzentrierten Ansatzes bleibt ein weiter Rahmen zur Integration von anderen Elementen (Übungen, Berührung, Spiel etc.), der je nach Persönlichkeit des Therapeuten variiert. Diese Therapieform wird sowohl in Einzelsitzungen als auch in Gruppen (Encountergruppen) angewandt. (nach Gumhalter, Teichmann-Wirth, Voracek, Stumm: Handbuch für Psychotherapie, Falter 1996)

 

 

Konzentrative Bewegungstherapie (KBT)

In der Konzentrativen Bewegungstherapie wird der Körper als Ort des gesamten seelischen Geschehens verstanden. Über die genaue Wahrnehmung Ihres Körpers in Ruhe und Bewegung und über die Wahrnehmung von Äußerem (Gegenstände, Boden, Raum) machen Sie Erfahrungen im Hier und Jetzt und bekommen so Zugang zu Ihrer Innenwelt. Das, was Sie mit und in Ihrem Körper wahrnehmen und ausdrücken wird als symbolisierte Erfahrung (Lebensgeschichte) verstanden. Auf diese Weise erkennen Sie sowohl Mängel und Schwächen als auch Stärken und alles, was Ihnen in Ihrem Leben hilfreich zur Verfügung steht (Ressourcen). Mit Unterstützung der Psychotherapeutin bzw. des Psychotherapeuten können Sie neue Möglichkeiten, mit sich und der Umwelt umzugehen, entwickeln und erproben sowie neue Erfahrungen verkörpern. Die Grundlage der Therapie sind Erleben und Handeln und außerdem das Sprechen, damit Ihnen das Erlebte deutlich bewusst wird, Sie es mitteilen und für sich nützen können.

Die KBT bezieht sich im Wesentlichen auf drei Strömungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts:

  1. die philosophische Tradition der Phänomenologie und des Existentialismus
  2. die bewegungs- und wahrnehmungsorientierte Körperarbeit (nach Elsa Gindler) und
  3. tiefenpsychologische Theorien

Der Münchner Arzt und Psychoanalytiker Helmut Stolze erprobte die Methode im universitär-klinischen Bereich und gab ihr 1958 den Namen Konzentrative Bewegungstherapie (KBT). Von da an war die KBT bei den Lindauer Psychotherapiewochen als psychotherapeutisches Verfahren vertreten.Im April 2001 erfolgte die Anerkennung durch das Bundesministerium für Gesundheit als wissenschaftlich eigenständiges psychotherapeutisches Verfahren.